Platz für Stadtgrün, Spielplätze und Fahrradwege in der Jakobervorstadt schaffen

FDP-Stadtrat Lars Vollmar will die Jakobervorstadt durch bauliche Maßnahmen am Oberen und Mittleren Graben für den Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung sperren. Einen entsprechenden Verkehrsversuch wurde über die Fraktion Bürgerliche Mitte im Stadtrat beantragt. Während des Versuchs bliebe die direkte Fahrt von der City-Galerie zum MAN-Gelände Fahrrädern und Linienbussen vorbehalten. Autos, deren Ziel nicht in der Jakobervorstadt liegt, müssten über die Lechhauser Straße und Berliner Allee um die Altstadt herum fahren.

Das für Fahrräder gefährliche Nadelöhr an der Barfüßerbrücke war Thema auf den Wahlplakaten von FDP-Stadtrat Lars Vollmar

Mit ihrem Antrag geht die Fraktion über einen Beschluss des Bauausschusses hinaus, der eine Neuplanung der Radverkehrsführung am Unfallschwerpunkt Barfüßerbrücke vorsieht. Eine bloße Umverteilung des Straßenraums hält die Bürgerliche Mitte jedoch nicht für ausreichend. „Wer einmal im Berufsverkehr am Oberen Graben unterwegs war, weiß, dass es am Nadelöhr Barfüßerbrücke kein sicheres Nebeneinander von Autos und Fahrrädern geben kann. Hier kann es nur eine Lösung geben: die Autos müssen weg!“, erklärt Vollmar.

Der Bürgerlichen Mitte ist es wichtig, dass die vom Durchgangsverkehr befreiten Viertel weiterhin mit dem Auto erreichbar sind. „Anders als die Grünen, die jeglichen Autoverkehr verteufeln, wollen wir keine Friedhofsruhe, sondern eine lebendige quirlige Innenstadt. Für den Einzelhandel, der durch Corona schwer angeschlagen ist, ist eine gute Erreichbarkeit kurz- und langfristig überlebenswichtig.“

Der Zeitpunkt für einen Verkehrsversuch ist nach Auffassung Vollmars günstig. Für das Jahr 2022 sind im Oberen Graben Kanalbauarbeiten geplant, die zumindest einseitige Sperrungen nötig machen. „Wir wollen das Baustellenszenario für eine Prüfung nutzen, ob wir Teile der Innenstadt ohne größere Verlagerungseffekte vom Durchgansgverkehr befreien können.“

Statt durch Oberen und Unteren Graben soll der Durchgangsverkehr um die Altstadt geleitet werden (gestrichelte Linie)

Augsburg sei eine der letzten Großstädte, in der wie zu Zeiten der autogerechten Stadt Hauptverkehrsachsen mitten durchs historische Zentrum führen. Da seit den 1950er Jahren der Autoverkehr stark zugenommen habe, hätten große Teile der Innenstadt mit Abgas- und Lärmproblemen zu kämpfen. „Am Oberen Graben und in der östlichen Jakoberstraße liegen die Lärmpegel selbst nachts über Risikoschwelle für Herz- und Kreislauferkrankungen. Eine solche dauerhafte Gesundheitsgefährdung der Bürgerinnen und Bürger wollen wir nicht länger verantworten.“

Die FDP Augsburg fordert bereits seit 4 Jahren, dass sich die Verkehrsführung im Augsburger Zentrum nach dem Vorbild von Nürnberg und München ändert. Dort gibt es seit Jahrzehnten sogenannte Schleifensysteme, durch die Durchgangsverkehr um die Altstädte herumgeführt wird, das Stadtzentrum aber aus allen Himmelsrichtungen erreichbar bleibt. „Durch eine solche Verkehrsberuhigung werden Flächen, die von mehrspurigen Straßen belegt sind, frei für Stadtgrün, Spielplätze und Fahrradwege. Die eigentlich wunderschöne Jakobervorstadt, die heute ein stadtplanerisches Problemgebiet ist, könnte so attraktiv werden die die Gassen am Mittleren Lech“, schwärmt Vollmar.

Die im ursprünglichen FDP-Konzept vorgesehene Einführung eines Schleifensystems für die gesamte Augsburger Innenstadt lässt sich im Rahmen des Verkehrsversuchs jedoch nicht ausprobieren. „Für die Strecke vom Staatstheater zum Jakobertor gibt es derzeit keine leistungsfähige Ausweichroute. Eine Sperrung der Ost-West-Achse würde dazu führen, dass Autos auf innenstadtnahe Wohngebiete ausweichen. Mit einer solchen Verlagerung der Verkehrsprobleme ist aber nichts gewonnen.“ Für die Nord-Süd-Achse (Oberer und Mittlerer Graben) besteht jedoch die Möglichkeit, den Durchgangsverkehr am Vogeltor abzuleiten und über die Berliner Allee um die Altstadt herumzuführen, heißt es in dem Antrag. Dies soll mit dem Verkehrsversuch ausprobiert werden.

 


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